DELVE – NOCH MEHR RAUM FÜR DIE MEERESFORSCHUNG

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Am Handelshafen liegt der Campus des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), das als Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern die komplexen Prozesse des maritimen Lebens entschlüsselt. Es wurde 1980 als Stiftung des öffentlichen Rechts in Bremerhaven gegründet. Über 900 Mitarbeiter arbeiten an verschiedenen Orten über Bremerhaven verteilt. Der AWI-Campus umfasst insgesamt sechs Gebäudekomplexe. Weitere, kleinere Gebäude verteilen sich über das Stadtgebiet. Die Forschungseinrichtungen des AWI in Bremerhaven überzeugen seit jeher auch durch ihre besonderen Ausgestaltungen, die auf namhafte Architekten wie O. M. Ungers (1986), Steidle + Partner (2004) oder Westphal Architekten (2006) zurückzuführen sind. Bis Ende 2021 entsteht nun auf der gegenüberliegenden Seite des Campus ein Neubau, der als Ort der Entwicklung innovativer maritimer Technologien die Erfolgsgeschichte des AWI in Bremerhaven fortschreibt. Im April 2019 erfolgte die Grundsteinlegung des neuen hochfunktionalen Gebäudes, das gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Land Bremen finanziert wird.

Doch nicht nur, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft- ler des AWI mit dem Neubau des Technikums zukünftig bestens für ihre Forschungsarbeit ausgerüstet sind, auch das städtebau- liche Profil der Hafenkante wird durch den einzigartigen Bau deutlich aufgewertet. Die skulpturale Architektur des Neubaus stammt aus der Feder von kister scheithauer gross (ksg) architekten und stadtplaner GmbH. Das Büro unterhält in Köln und Leipzig Standorte. Es konnte das Ausschreibungsverfahren, in dessen Rahmen ein Entwurf für ein neues Technikum mit sowohl Büro- und Laborräumen als auch Flächen für Werkstätten, Lagerung und Expeditionsvorbereitung gefordert war, für sich entscheiden.

Der Entwurf von ksg sieht einen rund 60 m langen und 44 m breiten Neubau entlang des Kanals und Yachthafens vor. Mit klaren Raumkanten und einer langgestreckten, gefalteten Fassade, die das bestehende Lagerhaus anbindet, reagiert der 4.120 m2 Bruttogrundfläche umfassende Baukörper auf sein Umfeld. Die Fassade im Erdgeschoss lässt bewußt Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb als „offene Werkstatt“ zu. Rund 40 Technikerinnen sowie Wissenschaftler werden in dem Gebäude arbeiten.

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Neben Büroräumen, Werkstätten, Lager- und Forschungsflächen bilden ein Tauchbecken zum Testen von Unterwasserinstrumenten oder aber ein Turm zum Testen von Eisbohrern besondere Highlights des insgesamt 19 m hohen Baukörpers. In den geschlossenen Teilen ist die Fassade mit Ziegeln in einem Farbmix aus braun, grau und weiß verkleidet und greift damit die Materialität der Umgebung auf. Indem die unterschiedlichen Gebäudeteile eine gestalterische Einheit bilden, können Sie in Gänze als eine Skulptur gelesen werden. Durch seine Lage am Wasser und Brückenkopf zur Stadt übernimmt das Gebäude künftig Verantwortung als Entrée für die neue Struktur der Klusmannstraße im Handelshafen.

ksg arbeitet schon lange mit BIM (Building Information Modeling) und hat im Zuge der Planung des AWI Technikums BIM in den Gesamtprozess implementiert. Das Architekturbüro blickt bereits auf einen breiten Erfahrungsschatz zurück, wenn es um vernetzte Planung geht, bei der Bauwerke anhand eines digitalen Gebäudemodells über ihren gesamten Lebenszyklus mit all ihren relevanten Informationen abgebildet werden. Seit rund fünf Jahren wickelt ksg BIM-Projekte unterschiedlichster Level ab. Dank dieses besonders transparenten Planungsprozesses konnten auch bei der Planung des AWI-Technikums etwaige Problemsituationen bereits sehr frühzeitig erkannt und verhindert werden. Ben Jutz, BIM-Manager hebt zudem hervor, dass diese Herangehensweise „allen Verantwortlichen Sicherheit gibt und bei der Behebung von Problemstellungen für eine schnelle und unkomplizierte Reaktionszeit sorgt“. Darüber hinaus lassen sich auch die Terminierung und die Dauer eines Bauprojektes mit BIM viel exakter festlegen.

Nach Fertigstellung des AWI ist die Stadt Bremerhaven um eine Landmarke reicher, die einmal mehr die Bedeutung der Stadt für die maritime Forschung auf Welt-Niveau unterstreicht.

 

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