UTRECHT: KREISLAUFWIRTSCHAFT TRIFFT AUF KREATIVEN HOTSPOT IM INDUSTRIESTIL

Im Werkspoor-Viertel in Utrecht wird Industrie seit jeher groß geschrieben. Im Laufe der Zeit wurden nach und nach eine Vielzahl der zum alten Industrieviertel gehörenden Gebäude abgerissen. Nur die Werkspoorkatheedral und die Werkspoorfabriek stehen noch. In letzterer wurden großflächige Stahlkonstruktionen für den Tiefbau verarbeitet. Diese Zeiten sind heute vorbei – es geht in der Halle nun deutlich bunter zu. Die große, 175 m lange Industriehalle wurde in den vergangenen Jahren stark aufgewertet und entwickelte sich zu einem Hotspot kreativer Unternehmer:innen Utrechts. Die Pläne zur Weiterentwicklung und Transformation des Gebäudes stammen aus der Feder von Zecc Architecten. Ihr Ziel: Die Aktivierung des Areals, der Gebäude und der Menschen, die hier gemeinsam arbeiten, lernen, denken und produzieren.

Industriekultur und Kreativität im Einklang

Die Werkspoorfabriek ist ein typisches großflächiges Beispiel der Industriekultur und dient als Katalysator des Areals. Heute steht sie symbolisch für die Entwicklung eines Gebiets im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Zecc Architecten haben dabei das Industriegebäude weitestgehend erhalten und durch eine breite Palette an neuen Funktionen ergänzt. Die Idee der Entwicklung: Innerhalb der freien großflächigen Industriehalle eine neue Struktur erschaffen, die Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung und Angeboten einen Platz bietet. Dabei wurde stets auch großer Wert auf den Erhalt des industriellen Charakters und die unverstellte Aussicht gelegt. Im Ergebnis fügte man großzügige Flächen hinzu, bei gleichzeitig größtmöglichem Erhalt an freiem Raum. Dazu gehört auch der Hof van Cartesius – eine Art Reallabor, das es kreativen Unternehmer:innen ermöglicht, im Sinne der Kreislaufwirtschaft verschiedene Konzepte auszutesten.

© Zecc Architecten | Stijn Poelstra

Sowohl die Nutzer:innen als auch die Besucher:innen der Werkspoorfabriek können sich auf eine besondere und inspirierende Entdeckungsreise begeben. Sie können die unterschiedlichen Etagen mit einem vielfältigen Angebot an Einrichtungen und Geschäften erkunden, die räumlich und visuell miteinander verbunden sind. Am zentralen Eingang empfängt sie der Blick auf die gesamte Höhe der Lagerhallen sowie zwei Treppen, die in die höheren Etagen führen. Dabei wurde das charakteristische Oberlicht sowie die weiterführenden Stahlfensterrahmen restauriert und mit Isolierglas versehen. Weitere neue Fenster im zweiten Obergeschoss bieten ein schönes Panorama und viel Tageslicht.

Vielfältiges Angebot unter einem Dach

Im Gebäudekopf befindet sich das Herzstück der Werkspoorfabriek: Ein großer, multifunktionaler Raum für unterschiedliche Zwecke. Hier finden Vorträge, Workshops, Meetings und zum Abschluss eines gelungenen Tages auch Partys statt – alles mit einem einzigartigen Blick auf den Amsterdamer Rheinkanal. Dieser Bereich ermöglicht eine breite öffentliche Nutzung des Gebäudes und spiegelt den rohen Charme der Industrievergangenheit des Viertels wider: Die alte Kranbahn wurde erhalten, der Geruch der vergangenen Zeit liegt noch immer in der Luft.

Neben diesem Hauptbereich beherbergt die Werkspoorfabriek eine Reihe von Unternehmen. Von kreativen unabhängigen Visionären bis hin zur großen Brauerei De Leckere wird eine breite Palette an Angeboten abgedeckt. Sie bilden zusammen eine Gemeinschaft im kreativen Sektor und der Fertigungsindustrie.

Zudem sind weitere Geschäfte im Erdgeschoss zu finden. Die hohen Decken gaben den Platz für ein Zwischengeschoss her, wodurch sich weitere Möglichkeiten bieten. Eines der dort befindlichen Unternehmen ist De Stadstuin. Es aktiviert das Gemeinwesen und vermietet Flächen an kreative Unternehmen kleiner und mittlerer Größenordnung. Ebenfalls ist ein Schulungszentrum für Innovationen im Bereich 3D-Druck in dem Gebäude zu finden, genau wie ein kleines Museum zur Geschichte von Werkspoor und des benachbarten Arbeiterviertels Zuilen.

© Zecc Architecten | Stijn Poelstra

Lebendige Synergie zwischen Alt und Neu, Innen und Außen

Neue Fassadenöffnungen kommen den neuen Funktionen zugute. Sie öffnen einerseits das Gebäude und tragen andererseits zu einer lebendigen Synergie zwischen Innen und Außen bei. Die Form und Position der Öffnungen macht klar, was neu und was alt ist – dadurch ergibt sich eine klare historisch geschichtete Struktur.

Flexible Elemente aus Holz und Glas ergänzen das offene Geschoss im zweiten und dritten Stockwerk. Insgesamt entwickelte Zecc gemeinsam mit dem Unternehmen Sustainer Homes die Konfiguration eines modularen Bausystems innerhalb der bestehenden Lagerhalle. Dazu gehören flexible hölzerne Bausteine, die leicht angepasst oder versetzt werden können. Eine weitere Besonderheit an dem System: Es ist zu 100 % kreisförmig und lässt sich ohne Schraub- oder Klebeverbindungen zusammensetzen. Dadurch finden sich die Besucher:innen in einer spannenden Welt aus kleinen Brücken, Treppen und Ausblicken wieder. Neben dem flexiblen Kreislaufsystem wird das Gebäude auch weiteren Nachhaltigkeitsstandards gerecht – es ist unter anderem mit Isolierglas und Photovoltaik-Paneelen auf dem Dach versehen.

Gelungenes Beispiel für eine nachhaltige Transformation

© Zecc Architecten | Stijn Poelstra

Die vormals bestehenden Zäune wurden vom Gelände entfernt – das Gebäude hat sich dadurch zu seiner Umgebung hin geöffnet. Ein diagonales Gitter mit grünen Elementen von Flux Landscape sorgt dafür, dass das Gelände um die Fabriek herum zugänglich ist. Diese Konstruktion steht im Einklang mit der nahegelegenen Werkspoorkathedraal, sodass eine Art „Teppich“ beide Gebäude miteinander in Einklang bringt.

Das Werkspoor-Viertel ist ein gelungenes Beispiel für die nachhaltige Transformation eines Industriegebiets und erfreut sich heute an einer stetig wachsenden Beliebtheit bei kreativen Unternehmen in Utrecht. Es ist ein einzigartiger Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf inspirierende Weise miteinander verbunden sind. Im Jahr 2018 wurde der Werkspoor District mit dem ABN AMRO Circular Economy Award ausgezeichnet.

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alle Fotos © Zecc Architecten | Stijn Poelstra

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