OTHALO: PLASTIK – RECYCELT UND NEU INTERPRETIERT

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Mit Unterstützung von Experten und Expertinnen der SINTEF und der Universität Tromsø erkannten Lahti und sein Team das Potenzial, aus den Plastikbergen dieser Erde einen neuartigen Baustoff zu entwickeln. Das effiziente Upcyceln von Plastik konnotiert das Material mit einer neuen Wertigkeit und liefert gleichzeitig den Impuls, Natur und Mensch vom Müll zu befreien, da der innovative Baustoff nicht erst produziert werden muss, sondern sich aus bestehenden Ressourcen formiert. Insbesondere in Regionen, in denen Materialknappheit den Bau neuen Wohnraums erheblich erschwert, könnte der universale Rohstoff Plastik in Zukunft die Antwort sein. Vor dem Hintergrund, dass weltweit fast eine Milliarde Menschen in Slums und oftmals unter miserablen Lebensbedingungen leben und diese Zahl aufgrund rapider globaler Urbanisierungstendenzen auch in Zukunft ansteigen wird, bietet Othalos Konzept nicht nur dringend benötigten und qualitativ hochwertigen Lebensraum, sondern auch eine betont kosteneffiziente Lösung. Trotz der aussichtsreichen Technologie Othalos gilt es jedoch natürlich auch weiterhin, unsere Plastikproduktion fortlaufend zu reduzieren.

Die Othalo-Häuser sind so konzipiert, dass für die bauliche Ausführung kein explizit ausgebildetes Personal notwendig ist. Insofern besteht die dritte Problemlösung in einem erweiterten und „fairen“ Jobangebots für die Menschen vor Ort. Ein weiteres Plus: Die lokale Produktion spart überflüssige Transportwege ein.

Othalo sieht sich nicht als Eingriff von außerhalb, sondern ist darauf bedacht, unmittelbar auf die Menschen und Kulturen einzugehen und einen öffentlichen Raum zu schaffen, der einen direkten Mehrwert für sein Umfeld bedeutet.

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Im Rahmen des UN World Habitat Day am 5. Oktober dieses Jahres gewann Othalo den offiziellen Partner UN Habitat dazu und gab die Partnerschaft mit dem belgisch-dänischen Star-Architekten Julien De Smedt und der preisgekrönten Unternehmerin Silje Vallestad bekannt. Es wurde sich darauf geeinigt, den anfänglichen Schwerpunkt der Weiterentwicklung auf die Region südlich der Sahara zu legen und die dortigen Lebensverhältnisse zu verbessern.

De Smedts architektonisches Konzept sieht vor, eine hohe Flexibilität durch modulares Bauen zu ermöglichen. Das urbane Gefüge ergibt sich aus addierbaren Einheiten, die ein natürliches Wachstum des Quartiers initiieren. Die Module sind multifunktional einsetzbar und können zu einem Wohnhaus, einer Schule, einer Flüchtlingsunterkunft und jeglichen weiteren Typologien zusammengefügt werden. Im Planungsprozess wird der Fokus insbesondere auf die Ausgestaltung des öffentlichen Raumes gelegt, welcher auf Grundlage der kulturellen Begebenheiten seiner Nutzerinnen und Nutzer als vielfältige Nachbarschaft entstehen soll. Eine Kombination aus überdachten Flächen, Loggien und Terrassen regt den Austausch im Freiraum an und erzeugt ein spannungsvolles Stadtbild.

Ein 60 mOthalo Haus upcycelt acht Tonnen Plastik und revolutioniert somit unsere Vorstellung von Recyclingprodukten. Die aktuelle Menge Plastikmüll könnte die Grundlage für eine Milliarden Häuser sein. Othalo formuliert den Anspruch, die Problematiken des Materials ins Positive umzukehren – Natur und Mensch werden entlastet und Plastik wird als qualitativer Baustoff etabliert. Die vielfältigen Potenziale des Materials und der Technologie werden weiterhin erforscht. Vor diesem Hintergrund wird innerhalb der nächsten 18 Monate ein Prototyp entwickelt. Othalo geht davon aus, Anfang 2022 mit der Massenproduktion des Systems beginnen zu können.

„Es gibt heutzutage nur eine Technologie auf der Welt, die wirklich etwas gegen den Wohnraummangel sowie das Problem des Plastikmülls in Afrika ausrichten kann – und zwar Othalo.“ – Vincent Kitio, Leiter von UN Habitat’s Urban Energy Facheinheit

Weitere Informationen zum Konzept gibt’s hier.

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