WUPPERTAL ALS ZENTRUM DER INNOVATIONSFÖRDERUNG

© Wirtschaftsförderung Wuppertal / HMG 3D

Die Wuppertaler Südhöhen gelten als wichtige Technologieachse. Dort gründete sich bereits 1992 das Technologiezentrum Wuppertal (W-tec), das sich für die Förderung von Innovation und den Technologietransfer der Stadt verantwortlich zeigt. Als eines der erfolgreichsten Technologie- und Gründerzentren Deutschlands, bietet das W-tec in mittlerweile fünf ehemaligen Kasernengebäuden und einem Neubau Büro- und Laborflächen, Infrastruktur und Beratung für neu gegründete, aber auch schon länger bestehende Unternehmen an. Die Wirtschaftsförderung Wuppertal AöR trägt als kommunale Partnerin 50 % des Zentrums. Die andere Hälfte wird durch aktuell 31 Wuppertaler Unternehmen unterhalten, die trotz des erwirtschafteten Profits nicht an der Gewinnausschüttung beteiligt werden. Die Überschüsse werden gänzlich ohne staatliche Zuschüsse generiert und können auf diese Weise unmittelbar in die Verbesserung von Infrastruktur und Programmangeboten für die Unternehmen reinvestiert werden. Die investierenden Unternehmen profitieren hingegen direkt von der Stärkung des Wirtschaftsstandorts und dem Austausch mit den sich neu ansiedelnden Unternehmen sowie ihrer Offenheit für neue Technologien und die Digitalisierung.

Das W-tec sieht seine Aufgabe allerdings nicht allein im Bereich der Ansiedlung und Beratung. Es fungiert darüber hinaus als Netzwerkpartner zwischen seinen Unternehmen und relevanten Institutionen und Verbänden der Stadt. Zudem investiert es in die Nachwuchsförderung und arbeitet dazu eng mit der nahe gelegenen Bergischen Universität Wuppertal zusammen. Mit der Gründung des TecLab im Jahr 2018 konnte dank dieser Kooperation ein Ort realisiert werden, an dem sich Studierende und Unternehmen zu digitalen Themen austauschen und ausprobieren sowie ihre Digitalkompetenzen wechselseitig ausbauen können. Die nötige Infrastruktur für die Schnittstelle zwischen Universität und Wirtschaft findet sich im FREIRAUM der Bergischen Universität Wuppertal. In Teilen der rund 450 m2 großen Räumlichkeiten zur Entwicklung und Realisierung der Ideen von Studierenden am Wuppertaler Arrenberg, können regionale Unternehmen in den direkten Austausch mit den Studierenden der Universität treten. Auf diese Weise soll der Nachwuchs gefördert und ein direkter Zugang zu konkreten Anwendungsgebieten digitaler Technologien generiert werden. In einem breiten Workshopangebot werden bisher Themen des digitalen Marketings, der digitalen Kommunikation, des Webdesigns und der Webentwicklung, der additiven Fertigung und dem Internet der Dinge angeboten.

© Stefan Tesche-Hasenbach

Die Offenheit für neue Technologien lässt sich im Tal der Innovationsförderung allerdings nicht nur anhand der Ansiedlung zukunftsfähiger Unternehmen und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ablesen. Seit Kurzem kann ein konkretes Ergebnis der Innovationsförderung auch im Alltag der Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger bestaunt und genutzt werden. So brachte Wuppertal rund 120 Jahre nach Inbetriebnahme der emissionsfreien Schwebebahn eine weitere Verkehrsinnovation europäischen Ranges auf die Strecke: Seit dem Sommer 2020 bereichert eine Flotte aus zehn Wasserstoffbussen der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) den Nahverkehr der Stadt. Emissionsarme Mobilität made in Wuppertal ist das Motto des sogenannten Wuppertaler Modells, denn der Treibstoff für die neuen Busse wird ebenso in Wuppertal produziert. Das Projekt ist eine Kooperation der WSW und der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) und erhielt eine Förderung in Höhe von 6,5 Mio. Euro durch die Europäische Union, den Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und den Verkehrsbund Rhein-Ruhr. Dadurch war es möglich, auf dem Gelände des Müllheizkraftwerks Korzert der AWG in Wuppertal-Cronenberg sowohl einen Elektrolyseur als auch eine Wasserstofftankstelle einzurichten. Der aus dem biogenen Anteil des Abfalls erzeugte Grünstrom kann so als primärer Energieträger zur nachhaltigen Wasserstoffgewinnung fungieren. Die Busse der Flotte werden ebenso auf dem Gelände des Kraftwerks betankt. Ausgerüstet mit einer 85-Kilowatt-Brennstoffzelle und einer Lithium-Titanat-Oxyd-Batterie reicht eine Tankfüllung Wasserstoff rund 400 km, womit die Fahrzeuge klassischen Elektrobussen weit überlegen sind. Im Inneren des Fahrzeugs wird der Wasserstoff in Strom umgewandelt, der den Elektromotor antreibt und 285 PS erzeugt. Dabei wird nicht länger CO2, sondern lediglich Wasserdampf ausgestoßen. Innovation, die sich bezahlt macht, denn schon im kommenden Jahr soll die Wasserstoffbusflotte um zehn weitere Fahrzeuge ergänzt und der emissions- sowie geräuscharme Wuppertaler Nahverkehr weiter ausgebaut werden.

Damit auch zukünftig neue Technologien in Wuppertal entwickelt werden, steht bereits das nächste Großprojekt in den Startlöchern. Am Lichtscheider Kreisel, nahe des W-tec Geländes, des Technologiecampus der Bergischen Universität und zahlreicher Unternehmen wie Aptiv, WKW automotive oder Vorwerk Autotec verfolgt die Stadt das Ziel, auf rund zwei Hektar Fläche den Smart Tec Campus, einen innovativen Technologiestandort, zu entwickeln. „Ziel des Smart Tec Campus Wuppertal ist es, ein Kompetenzzentrum für smarte Technologien zu schaffen, das eine überregionale Ausstrahlung besitzt und Synergiepotenziale zwischen Unternehmen aus dieser Branche schafft“, so Dr. Rolf Volmerig von der Wirtschaftsförderung.

Die Grundstücke verfügen über Flächen zwischen 2.500 m2 und 9.000 m2 und sollen mit modernen Gebäuden nach neuesten Klimastandards bebaut werden. Begrünte Dächer und Fassaden sowie eine ressourcenschonende Bauweise stellen dabei eine wichtige Prämisse des Projekts dar. Auf dem Gelände, das bis 2012 das privat geführte Erlebnis- und Spaßbad Bergische Sonne beherbergte, sollen sich künftig vorrangig lokale und überregionale Unternehmen aus den Bereichen IT, Künstlicher Intelligenz und smarter Technologie ansiedeln. Projektentwickler ist die Stadt Wuppertal in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung und NRW.URBAN, einem Beteiligungsunternehmen des Landes NRW, das auf die Revitalisierung von Brachflächen spezialisiert ist.

Die erste Projektphase umfasst den Abriss des ehemaligen Freizeitbades, gefolgt von der Baureifmachung der Flächen auf zwei verschiedenen Niveaus. Mit einer einzigartigen Aussicht vom höchsten Punkt Wuppertals über landwirtschaftlich genutzte Flächen und das historische Gelpetal auf der Südseite, wird den zukünftigen Unternehmen ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität geboten. Durch die direkte Anbindung an die Südtangente der Stadt und damit an die A1 und die A46 ist die Erreichbarkeit hervorragend. Mit der Fertigstellung der Gewerbefläche rechnet die Stadt Ende 2021. Bei Interesse können individuelle Grundstückszuschnitte noch realisiert werden.

Mit der Förderung der Technologieentwicklung und einer generellen Offenheit gegenüber zukunftsweisenden Innovationen und der Digitalisierung knüpft Wuppertal an seine Geschichte an. Einst als „Wiege der Industrialisierung“ und Zentrum des Textilhandels in Europa bekannt, könnte die Stadt an der Wupper zukünftig als Zentrum technologischer Innovation und Digitalisierung als Wirtschaftsstandort weiter an nationaler sowie internationaler Bedeutung gewinnen.

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