NEW MOBILITY STUDIE: FRIEDRICHSTRASSE BERLIN

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Temporäre Projekte wie die autofreie Friedrichstraße lassen die vielfältigen Potenziale aufblitzen, die in solchen Perspektiven liegen. Vom 29. August 2020 bis Ende Oktober 2020 hatten Berlinerinnen und Besucher die Möglichkeit, die Friedrichstraße als Fußgänger oder Radfahrerin ungestört von motorisiertem Individualverkehr neu zu entdecken. Es konnte nicht nur eine neuartige Attraktivität der Straße aufgezeigt werden, sondern darüberhinaus der Einzelhandel und das Gewerbe gestärkt werden.

Designstudie

Die Designagentur 3deluxe sah in dem künftig entstehenden Vakuum der Flächenneuverteilung eine einmalige Möglichkeit, die grundlegende Funktion des Straßenraums mit nachhaltigen Maßstäben neu auszutarieren. Eine
vorausgegangene Designstudie zeigt auf, welche Potenziale der urbane Raum birgt, wenn sich das Mobilitätsverhalten der Gesellschaft in Zukunft verändert und wie die Planung zu diesem Prozess beitragen kann. Grundlage bildet eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation. Es wird deutlich, dass sich ein Großteil der Verkehrsteilnehmer*innen im Pkw bis zu 50km/h schnell bewegt und damit auch die räumliche Hoheit besitzt. Die Barriere zu Mikromobilität und Fußverkehr ist nur sehr geringfügig ausgestaltet, was die Nutzung unattraktiv und teils sogar gefährlich macht. 3deluxe entwickelte einen Gegenentwurf, der eine neue, gerechtere Verteilung des Raums vornimmt.

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Zukunftsszenario für die Friedrichstraße

Dieser graphische Gegenentwurf war die Grundlage für das ausdrucksstarke Zukunftsszenario für die Friedrichstraße in Berlin, das die Reichweite dieser Überlegungen zum Ausdruck bringt. Ausgehend von einer Reduzierung und sinnvollen Umleitung des MIV könnten neue Freiheiten für die Gestaltung der Friedrichstraße geschaffen werden. Der öffentliche Raum würde nicht länger von fahrendem oder ruhendem Verkehr gestört, sondern könnte lebendigen und zukunftsfähigen Nutzungen Platz bieten. Die etablierte Linearität würde aufgehoben und organische Formen könnten sich an die individuellen Bedürfnisse der Stadtgesellschaft anpassen. Die sogenannte Organic Mobility, also die Mikromobilität von bis zu 20km/h, verwebt sich mit Slow Lanes, auf denen Fußgänger*innen flanieren können. Zwischenzonen ermöglichen eine Parallelität von Fuß- und Radverkehr und markieren jeweils die Übergänge. Shuttlebusse bewegen Verkehrsteilnehmer*innen mit bis zu 30km/h auf eigenen Spuren, die zum Teil von Radfahrer*innen und Fußgänger*innen mitgenutzt werden können. Das gemeinsame Mobilitätsverhalten ist von Achtsamkeit und Rücksichtnahme geprägt.

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Neue Freiräume

Das differenzierte System bestimmt jedoch nicht nur eine klimaschonende Mobilität, sondern versteht die Zwischenräume als eine urbane Qualität. Diese ermöglichen jegliche Gestaltungsfreiheiten und sollen künftig das öffentliche Leben in der Stadt bereichern. Gastronomische Betriebe hätten die Möglichkeit, auch den Straßenraum der Friedrichstraße zu belegen; neue, organisch geformte Grün- und Sportflächen ermöglichen Freizeit und Erholung im urbanen Raum. Kulturelle Veranstaltungen könnten bei entsprechendem Wetter auf den Straßen stattfinden und den Raum künstlerisch beleben. Es ergibt sich ein vollkommen neues Bild der Friedrichstraße, das Besucher*innen zum Entdecken einlädt und die Vision einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Mobilität in deren Alltag etablieren könnte.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Website polisMOBILITY in der Rubrik Magazin.

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