MAILAND: NEUER BÜROKOMPLEX VON BIG ERGÄNZT BESTEHENDES ENSEMBLE

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Auf dem Gelände des ehemaligen Ausstellungs- und Messegeländes entsteht in Mailand der neue Stadtteil CityLife. Eine Mischung aus Wohnungen, Büros, Geschäften und Fußgängerzonen mit einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit soll das Viertel inmitten des zweitgrößten Parks in Mailand zu einem Vorbild für urbane Transformation machen. In seiner Gesamtfläche von 366.000 m2 ist es eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas. Das Herzstück bildet ein Ensemble aus drei Bürotürmen, entworfen von den Büros von Zaha Hadid, Arata Isozaki und Daniel Libeskind und umgeben von zahlreichen Geschäften und Restaurants. Jüngst konnte sich Bjarke Ingels mit dem finalen Puzzlestück in die namhafte Riege der vertretenen Architekt:innen einreihen: Der von seinem Büro BIG Bjarke Ingels Group geplante Bürokomplex CityWave feierte den ersten Spatenstich.

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Ausgangspunkt des Entwurfs für CityWave war es, „zu komplettieren anstatt zu konkurrieren“, wie Bjarke Ingels es ausdrückt: Um nicht mit den bestehenden drei Hochhäusern in Konkurrenz zu treten — und angesichts der Tatsache, dass der zentrale Platz wie auch die örtliche U-Bahnstation nun einmal „Tre Torri“ also „drei Türme“ heißt — hat das Büro sich dazu entschieden, die in Auftrag gegebenen 63.000 m2 auf zwei niedrigere Baukörper mit zwölf und 22 Stockwerken zu verteilen. Die beiden verbindet ein weit gespanntes, wie eine Hängebrücke geschwungenes Dach, das eine Torsituation zum Platz und einen Auftakt für die drei Türme bildet. Seine Oberfläche besteht aus nicht weniger als 11.000 m2 an Photovoltaikmodulen, die einen entscheidenden Teil des Energiekonzeptes darstellen, durch das der Komplex mehr Energie erzeugen als verbrauchen soll. Und verbrauchen wird er wenig: 45 % unter dem eines Standard-Bürogebäudes liegt der geschätzte Energiebedarf, auch dank passiver Planungsmaßnahmen. Die Grundrisse erinnern mit großen Innenhöfen eher an eine Blockrandbebauung denn an klassische Hochhäuser und ermöglichen so Querlüftung und die natürliche Belichtung der Büroräume. Balkone an der Südseite wurden besonders groß geplant, um die darunterliegenden Räume vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Dort, wo die Sonne direkt auf die Fassade trifft, hält das Fassadensystem mit Hochleistungsdreifachverglasung die Wärme ab.

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Im Inneren ging es den Architekt:innen von BIG vor allem um wirksame Beziehungen: In beiden Gebäuden verbinden monumentale Treppenanlagen die ersten Stockwerke räumlich wie optisch. In den Etagen darüber ist es das geschwungene Dach, das die von oben nach unten immer weiter anwachsenden Flächen übergreift und wie in einer Kaskade von Mezzaningeschossen offene Räume mit Blickverbindungen über die Stockwerke hinweg schafft. Gemeinschaftsflächen und Orte für informelle Zusammenarbeit finden sich in den Atrien, Wintergärten und Panoramaterrassen.

Es zeigt sich: Ein Bau muss nicht immer ein Turm sein, um herausragende Wirkung zu entfalten.

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