OHNE MOOS NIX LOS

Die Städte der Zukunft stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Der dadurch steigende Bedarf an Wohnraum führt so zu einer Verdichtung des Gebäudebestandes. Verkehr und Industrie produzieren bereits jetzt enorme Mengen an Feinstaub und CO2-Ausstoß. Ein weiteres globales Problem, das die Lebensqualität in urbanen Räumen mindert, sind steigende Temperaturen, die durch den Klimawandel verursacht werden. Grün muss her! Städte wie Singapur machen es vor: Fassadenbegrünung zur Steigerung der Lebensqualität wird immer gefragter. Dieser Idee haben sich auch drei Deutsche angenommen. Das Dreiergespann aus dem Biologen Dr. Tobias Graf, dem Bauingenieur Martin Hamp, und dem Informationselektroniker und Wirtschaftsingenieur Björn Stichler haben sich ein grünes Ziel gesetzt und ein Konzept autarker Begrünung entwickelt.

Mit ihrem Startup „Artificial Ecosystems“ und dem Motto „We green the world“ entwickelte das Team der TU Kaiserslautern das sog. BryoSYSTEM, anhand dessen es eigenständige vertikale Flächenbegrünung in unsere Städte bringt. Das System macht sich hierbei die Eigenschaften von Moosen zunutze. Sie sind wurzellos und haben die Fähigkeit Nährstoffe aus der Luft zu filtern. Entsprechend filtern sie auch Feinstaub und CO2 aus unserer Luft. Natürliche Ansiedlungen von Moosen sind in Städten weitverbreitet und zeigen, wie gut sie an unser Klima und die Lebensbedingungen in urbanen Räumen angepasst sind. Optisch haben Moose einen weiteren Vorteil gegenüber anderer Pflanzenarten: Sie behalten das ganze Jahr über ihr grünes Erscheinungsbild. Moose bieten also insgesamt eine vielversprechende Bepflanzungsart für Städte.

Die eigenständige Begrünung wird durch ein ideales Substrat, gepaart mit einer funktionalen Beschaffenheit des Elements begünstigt und das Wachstum durch eine spezielle Oberflächenbehandlung gesteigert. Nach diesem Prinzip sollen die Moose sich selbst durch Sporen aus der Luft pflanzen. Eine Vielzahl an Sensoren misst Umweltparameter wie z.B. Feuchtigkeit. Ein besonderes Feature ist die Wartungsfreiheit der Begrünung, die eine große Benutzerfreundlichkeit mit sich bringt.

Die kleinste Einheit der Begrünungsvorrichtung misst 1 Meter Höhe, 15 cm Breite und nur wenige Zentimeter Tiefe. Dadurch erfüllt die Betonkomponente optimale Voraussetzungen, um z.B. an einer Hausfassade angebracht zu werden. Die Energieversorgung der Technologie gewährleistet eine Solarzelle am oberen Ende des Elements. Doch auch andere Arten der Energieversorgung sind denkbar. Die Technik findet ihren Platz in einem (ggf. eingepassten) Wassertank am Boden.

Die Vertikalbegrünung kann dabei fast überall in urbane Räume integriert werden, z.B. zur Luftfilterung auf dem Bürgersteig oder als Begrünung von Gebäudefassaden. Dabei werden die Pflanzen technisch und ökophysiologisch engmaschig überwacht.

Rundum stellt sich dieses Konzept der Phytosanierung, Problemen der Luftverschmutzung, Überhitzung, Lärm, versiegelter Flächen und hebt den Erholungsfaktor und die Biodiversität innerhalb der Städte. Mit ihrer Idee wollen sie ihre Vision der grünen Stadt, geschaffen aus einer Kombination von Natur und Technologie, mit Smart City-Konzepten verbinden. Das bereits zum Patent angemeldete System verhalf ihnen zum 1. Platz beim Ideenpreis Rheinland-Pfalz 2019.

Unterstützung erhält das Startup von verschiedenen universitären Einrichtungen und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Das autarke Begrünungssystem zeigt, dass sich Technologie und Natur nicht ausschließen müssen. Eine Erkenntnis, die mit Blick auf die Städte der Zukunft, sicherlich an Relevanz gewinnen wird.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.artificial-ecosystems.com 

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© Artificial Ecosystems

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