THE URBAN CONGA MACHT ÖFFENTLICHEN RAUM SPIELERISCH ERLEBBAR

© Savannah Lauren via v2com

Das Urban Design des multidisziplinären New Yorker Designstudios The Urban Conga ist auf die Einbindung des Spielens in den öffentlichen Raum spezialisiert. Mit ihrer Idee der Playable City entwickeln sie Interventionen, die Städte spielerisch erlebbarer machen und aktivieren gezielt den öffentlichen Raum durch ihre Projekte. Hierdurch profitieren v. a. die Anwohner:innen der jeweiligen Nachbarschaft. Damit begreift The Urban Conga die Wirkkraft des Spielens, die dessen Meinung nach in der Stadtentwicklung und Architektur derzeit noch eher stiefmütterlich behandelt wird. Langfristig plant das Designbüro mit seinen Projekten nicht nur die Städte zu bereichern, sondern will die positiven Effekte des Spielens für die Gesundheit, Identität sowie sozialen und ökonomischen Werte innerhalb einer Stadt und ihren Quartieren stärker in Debatten um Stadtentwicklung zu verankern – Spielen als bedeutsames Instrument für die Reaktivierung des öffentlichen Raums, das diesen integrativer, sicherer und gesünder macht. Hierfür installierte das Team in verschiedenen Städten unterschiedliche Elemente, die zur spielerischen Entdeckung des Stadtraums dienen. Die Projekte sollen Impulse in Richtung Stadtplanung und Architektur sowie anderen Akteur:innen geben, Parkbänke, Straßenlaternen, Waschsalons und weitere urbane Orte und Elemente mit kreativen Ansätzen neu bzw. anders zu entdecken. Das Ziel: Die Menschen in den Quartieren mithilfe des Spielens zusammenzubringen.

© Maria Flanagan via v2com

Oszillation

Die interaktive Installation nutzt Sicht, Klang und Bewegung, um spontane soziale Interaktionen und Konversationen in einem öffentlichen Raum zu erzeugen, dessen volles Potenzial bisher nicht ausgenutzt wurde. Mithilfe eines Voronoi-Algorithmus zerlegte das Designteam einen Würfel in fünf Einzelteile, von denen jedes ähnlich eines großen Theremins funktioniert: Je nach Abstand spielen die Volumina unterschiedliche Töne und Tonhöhen. Zusätzlich reflektieren und brechen die Elemente das Licht abhängig von der Position der Betrachter:innen. Die Modularität des Konvoluts erlaubt es sie an andere Orte zu bewegen und weitere Räume neu zu beleben.

© Craig Stubing via v2com

The Hangout

Dieses interaktive Projekt steht in der Lower Ninth Ward in New Orleans, Lousianna – die Folgen des Hurrikans Katrina im Jahr 2005 sind hier noch immer zu spüren. Gemeinsam mit den Anwohner:innen entwickelte The Urban Conga eine außergewöhnliche Sitzgelegenheit, die Sicht, Klang und Berührung verflicht. The Hangout umfasst eine Serie aus unterschiedlichen Zylinder-Clustern, die als Sitzmöglichkeit dienen. Die eingebaute Berührungssensor-Technologie verwandelt jeden der Zylinder in ein spielbares Musikinstrument: Die Berührung mit der Sitzfläche erzeugt einen Ton. Bei Nacht leuchten die Einheiten und ändern bei Berührung ihre Farbe.

© Christopher Brickman via v2com

Entangled

Eine Plattform zur Entdeckung der Geschichte und Musik der haitianischen Kultur zu schaffen, diesen Gedanken verfolgt die Sitzbanklandschaft vor dem Little Haiti Cutural Complex in Miami, Florida. In Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum veranstaltete das kreative Team eine Reihe partizipatorischer Designworkshops zur Entwicklung des Projekts. Das Ergebnis ist ein Banksystem, das Konversationen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Viertels anregt. Das Projekt soll dazu beitragen, den haitianischen Einfluss und die Kultur der sich im Wandel befindenden Nachbarschaft zu würdigen und zu zelebrieren. Umgesetzt wurde dies in Form einer wellenartig geformten Bank, die drei Aluminiumtrommeln verbindet. Die angebrachten Instrumente sind den traditionellen haitianischen Rada-Battery-Trommeln nachempfunden.

© The Urban Conga via v2com

Shifting Totems

Auch im Stadtteil Glenville in Cleveland, Ohio, realisierte The Urban Conga ein Projekt, dessen Design im Rahmen einer Reihe von partizipatorischen Design-Workshops entstanden ist. Ziel war es, zwei Nachbarschaften an einem Ort zusammenzubringen. Die Anwohner:innen wünschten sich eine Installation, die Ihre Identität als Gemeinschaft stärkt und die Menschen inspiriert. Sie sollte die Konversation über die Missstände im Quartier anregen und der Jugend zu Gute kommen. Dementsprechend stellte das Team in einem örtlichen Park drei baumstammähnliche, aus Aluminium gefertigte Totems auf. Die einzelnen Totems verfügen über eine Reihe von drehbaren Elementen mit darauf abgebildeten Buchstaben. Mithilfe dieser Drehscheiben können Wörter wie z. B. „strong“, „knowledge“, „go vote“ und „pride“ gebildet werden. An der Basis der Totems befindet sich eine größere Fläche zum Sitzen und Reden. Die interaktiven Säulen sollen nicht als statischen Objekte wahrgenommen werden, sondern viel mehr als Katalysator für eine größere Konversation über den zu Unrecht bestehenden schlechten Ruf der Gegend wirken.

© The Urban Conga via v2com

Why sit when you can play?

The Urban Conga entwickelte eine musikalische Neuinterpretation der klassischen Parkbank, dessen Design individuell an ihren Standort angepasst wird. Die fließende organische Form soll dabei jeden zum gemeinsamen Musizieren einladen. Die integrierten Tasten ähnlich eines Xylofons ertönen jeweils in zwei Oktaven und ermöglichen es nicht nur zu sitzen und, sondern auch (gemeinsam) zu musizieren.

Konzept mit Zukunftspotenzial

Die Projekte von The Urban Conga zeigen, mit welchen vielfältigen Möglichkeiten öffentlicher Raum neu belebt werden kann und machen eines deutlich: Nicht nur Kinder macht es Spaß, ihre Stadt spielerisch zu entdecken. Damit bietet der Ansatz großes Potenzial, die Städte der Zukunft lebendiger zu gestalten. Auszeichnungen wie der 2021 Architizer A+ Firm of the Year Award for Small Projects und der 2020 ArchDaily Best Young Practice geben der Designstrategie des New Yorker Büros Rückenwind. Interventionen wie diese wecken die Neugier von Jung und Alt und können die Aufenthaltsqualität in den Städten nachhaltig steigern.

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