RECYCLING IN ROM: KUNSTSTOFFFLASCHEN IN METRO-FAHRTEN EINTAUSCHEN

In Rom ist kürzlich ein innovatives Pilotprojekt an den Start gegangen, das für ein Jahr in der italienischen Hauptstadt erprobt werden soll: Passagiere haben nun an drei U-Bahn-Stationen die Möglichkeit, ihre PET-Flaschen gegen kostenlose Fahrten des öffentlichen Nahverkehrs einzutauschen. Pro Flasche, die sie in den Automaten geben, bekommen sie per App in Form eines „Ökobonus“ einen Kredit von 0,05 Euro gutgeschrieben – 30 Flaschen entsprechen somit einer Fahrt von 1,50 Euro mit Bus, Bahn oder Zug.

Das Projekt namens Recycle + Travel will die Kreislaufwirtschaft der Stadt ankurbeln. Es ist somit für viele Seiten von Nutzen und macht die Stadt nachhaltiger, fairer und sauberer. Insbesondere letzterer Punkt ist in Rom dringend nötig und hat die Initiatoren teilweise zur Umsetzung des Projekts inspiriert: Man will Roms Müllproblem in Angriff nehmen. Es stapeln sich dort die Abfallberge auf den Straßen. Kläranlagen und Mülldeponien sind zum Teil wegen Wartungsarbeiten geschlossen, was den Zustand noch deutlich verschlimmert. Das Projekt will außerdem die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel steigern.

Es gab aber noch einen weiteren, wichtigen Beweggrund für das Projekt. Italien ist das Land mit dem höchsten Verbrauch von Trinkflaschen aller europäischen Nationen: Jeder Bewohner konsumiert dort pro Jahr durchschnittlich 188 Liter (siehe Grafik). Dabei entsteht natürlich viel Müll, der dann häufig auf den Straßen landet, wie beschrieben.

Die PET-Flaschen unterschiedlicher Größen (von 0.25 bis 2 Liter) werden in den Automaten wie in jenen hierzulande gebräuchlichen in Supermärkten zerquetscht und zerkleinert, woraufhin sie schließlich weiterverarbeitet und wieder verwertet werden können. Die drei Automaten befinden sich an der Station Cipro (Linie A), Piramide (Linie B) und San Giovanni (Linie C).

Die Online-Gutschrift erfolgt durch Atac, das Unternehmen Roms, welches das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt betreibt. Dazu benötigt man eine von zwei Apps, MyCicero oder TabNet. Man will mit der „Kunststoff-Währung“ verantwortungsvolles Handeln der Passagiere aus ökologischer Sicht fördern sowie den Kunden stärker an den mobilen Kanal des Ticketkaufs binden.

Wenn das Pilotprojekt nach einem Jahr tatsächlich die Recyclingquote erhöht sowie womöglich auch das Schwarzfahren reduziert, soll es auf weitere Stationen in der ganzen Stadt sowie öffentliche „Hotspots“ ausgeweitet werden.

Es ist ein Lösungsansatz, um den Belastungen durch den Klimawandel und der Kunststoffverschmutzung zu entgegnen. Rom ist nicht die erste Stadt mit dieser Idee: Auch in Peking hat sich ein ähnliches System etabliert; in der indonesischen Stadt Surabaya werden sogar Plastikbecher akzeptiert – hier kostet eine zweistündige Busfahrt zehn Plastikbecher bzw. fünf Plastikflaschen.

Das Projekt in Rom reiht sich in viele unterschiedliche Bemühungen europäischer Länder ein, die sich momentan mit kleineren oder größeren Aktionen einer Reduktion der Emissionen widmen: In Deutschland wird im Moment diskutiert, am Tag der Deutschen Einheit 83 Millionen Bäume in der Bundesrepublik zu pflanzen (angelehnt an die hier kürzlich berichtete Aktion in Äthiopien), Paris transformiert nach und nach seinen öffentlichen Raum in Hinblick auf stärkeren Umweltschutz und Finnland hat beschlossen, bis 2035 klimaneutral werden zu wollen.

Das sind Vorhaben, die tatsächlich dringend benötigt werden, wenn man Berichte darüber betrachtet, dass mehr als 90% des weltweit gebrauchten Kunststoffs nie recycelt und jährlich satte acht Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Ozeane entsorgt werden. Bei dieser Geschwindigkeit wird es bis 2050 in den Weltmeeren mehr Plastik als Fisch geben, gleichzeitig könnte es bis zu 500 Jahre dauern, bis das Material dort abgebaut ist.

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Bilder © Pixabay | Daniele Brundu | Statista

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