NEUE DIMENSIONEN – WENN KUNST UND TECHNOLOGIE AUFEINANDERTREFFEN

© teamLab, Exhibition view, MORI Building DIGITAL ART MUSEUM: teamLab Borderless, 2018, Odaiba, Tokyo

Kunst und Technologie: Ein Zusammenspiel, das angesichts der digitalen Möglichkeiten unserer Zeit zunehmend an Relevanz gewinnt. Längst ist die Technologie nicht mehr nur ein Teil der Wirtschaftsbranche, sondern auch ein anerkannter Bestandteil der Kunst- und Kulturszene weltweit. Technologie und die fortschreitende Digitalisierung erwecken neue Möglichkeiten für die Kunst – weit abseits der gewohnten Zweidimensionalität oder der immerwährenden Statik, die Betrachter seit Jahrtausenden von Gemälden, Skulpturen oder Installationen gewöhnt sind. Das Zusammenspiel von Kunst und Technologie ermöglicht dem Menschen ein Eintauchen in völlig neue Welten und das Verschmelzen des eigenen Selbst mit ungeahnten Dimensionen. Kaum jemand beherrscht das Handwerk der technologisierten Kunst derzeit so gut wie das Kunstkollektiv teamLab.

Das 2001 gegründete teamLab setzt sich mit dem Zusammenspiel von Kunst, Wissenschaft, Technologie, Design und der natürlichen Umwelt auseinander. Künstler, Programmierer, Ingenieure, CG-Animatoren, Mathematiker und Architekten bilden das interdisziplinäre Team. Die Arbeiten von teamLab zielen darauf ab, eine neue Form der Beziehung zwischen Mensch und Natur durch Kunst zu erkunden. teamLab setzt digitale Technologie ein, um Kunst von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen zu befreien. Denn bei teamLab gilt: Der Mensch ist ebenso in der Welt anwesend, wie die Welt in ihm selbst anwesend ist und alles existiert in einer immer fortwährenden, verletzlichen, wunderbaren Kontinuität des Lebens. Mithilfe seines Körpers beziehungsweise seiner Sinne nimmt der Mensch seine Umwelt wahr. In ihr bewegt er sich frei und entwickelt Beziehungen zu anderen Mitmenschen. Infolgedessen entwickeln Körper und Geist ein individuelles Zeitgefühl. Hervorgerufen durch die eigene Fantasie, in der die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Gedankenströmen oft verschwimmen, führt dies laut teamLab manchmal dazu, dass sich Gedanken gegenseitig beeinflussen und miteinander verschmelzen. Mit seinen Ausstellungen und Installationen gelingt es teamLab weltweit, dieses kaum greifbare Gefühl – die menschliche Fantasie und ihr ganz eigenes Verständnis von Raum, Zeit und Gedanken – in einem realen Raum nahezu greifbar zu machen.

© teamLab, Flowers Bombing, 2018, Interactive Digital Installation, Endless, Sound: Hideaki Takahashi

Die fantasievollen Welten der Künste von teamLab lassen Betrachter und Besucher vollkommen in ihnen verlieren: Dank der Verwendung digitaler Tools sind teamLabs Werke nicht statisch wie Gemälde oder Skulpturen, sondern reagieren auf ihre Umwelt und infolgedessen auch auf den jeweiligen Menschen, der sie betrachtet und sie räumlich erkundet. Nachdem das teamLab weltweit – von Japan und Singapur über London, Paris und Mailand bis nach New York oder Australien – bereits zahlreiche Ausstellungen und Installationen realisiert hat, erfolgte 2018 mit dem MORI Building DIGITAL ART MUSEUM: teamLab Borderless in Tokyo die Eröffnung eines eigenen Museums, das natürlich weitaus mehr ist als ein klassisches Museum. Viel mehr lädt dort eine dreidimensionale Welt auf 10.000 m2 den Besucher zum Erkunden, Entdecken und Genießen ein. Im teamLab Borderless formen rund 60 digitale Kunstinstallationen eine grenzenlose Welt, indem sie die gegenwärtige Räumlichkeit durchbrechen, untereinander kommunizieren, sich gegenseitig beeinflussen und miteinander verschmelzen. Eben genauso, wie es unsere Gedanken tagtäglich tun.

© teamLab, Exhibition view, MORI Building DIGITAL ART MUSEUM: teamLab Borderless, 2018, Odaiba, Tokyo

Mit ihrer interaktiven Installation Forest of Resonating Lamps – One Stroke entführt teamLab seine Besucher beispielsweise in einen regelrechten Wunderwald aus Lampen, die nach strengsten mathematischen Berechnungen hundertfach neben- und übereinander von einer scheinbar unsichtbaren Decke hängen und sich gleichzeitig in allen Wänden des Raumes, auch im Boden, spiegeln. Sobald der Besucher sich in direkter Nähe zu einer der Lampen im Raum befindet, bringt er sie mit seiner bloßen physischen Anwesenheit zum Leuchten. Das Licht dieser einen Lampe bildet dann den Startpunkt und aktiviert infolgedessen auch die beiden nächstgelegenen Lampen. Diese strahlen ihr Licht wiederum zu den jeweils nächstgelegenen Lampen weiter. Auf diese Weise verselbstständigt sich der Prozess immer weiter und wird zu einem dynamischen Kreislauf, bis schließlich alle Lampen der Installation gleichzeitig kurzzeitig erstrahlen und dann wieder sukzessive erlischen, bis nur noch die Ausgangslampe leuchtet. Besonders spannend wird es, wenn sich mehrere Personen gleichzeitig in der Installation bewegen. Denn wenn Lichtabfolgen, die von unterschiedlichen Personen ausgelöst wurde, aufeinander treffen, erleuchten die Lampen in unterschiedlichen Farbkombinationen für eine längere Zeit. Körper und Geist des Individuums erkennen auf diese Weise, dass sie sich nicht alleine im Raum befinden, sondern erhalten eine „visuelle“ Rückmeldung darüber, dass noch jemand anderes da ist. So werden sie sich nicht nur ihrer eigenen, sondern auch der Präsenz der anderen Besucher bewusst.

Auch die Installation Universe of Water Particles on a Rock where People Gather findet in einem virtuellen, dreidimensionalen Raum im teamLab Borderless statt. Künstlich simuliertes Wasser prasselt dort auf einen Felsen nieder und lässt einen sogenannten ultrasubjektiven Raum entstehen. Auch hier kann der Besucher den Strom des Wassers beeinflussen, indem er auf dem Fells stehend den Wasserfall berührt.

 

© teamLab, Exhibition view, MORI Building DIGITAL ART MUSEUM: teamLab Borderless, 2018, Odaiba, Tokyo

Im August und September diesen Jahres wird teamLab außerdem mit der Einzelausstellung teamLab: Impermanent Flowers Floating in a Continuous Sea im 21st Century Museum of Contemporary Art, Kanazawa in Ishikawa in Japan präsent sein. In einem Teil, der aus mehreren Installationen bestehenden Ausstellung, können Besucher Blumen auf Papier zeichnen, die bei Berührung der Wand anfangen im Raum zu blühen. Sobald Besucher ihre Hände auf der Wand bewegen, verbreiten die Blumen sich tausendwach über diese, bis sie letztendlich verwelken.

Besonderes Jahreshighlight ist außerdem die Ausstellung teamLab: A Forest Where Gods Live – earth music&ecology in Kyushu in Japan – eine Ausstellung, die teamLab mitten in der Natur bereits zum fünften Mal im malerischen Mifuneyama Rakuen Park in Takeo Hot Springs, Kyushu realisiert. Diese Ausstellung, die teamLab als ihr Lebenswerk betrachtet, findet jedes Jahr von Sommer bis Herbst statt – dieses Jahr von Juli bis Ende Oktober. Im Zuge der Ausstellung bezieht sich teamLab auf die von der Natur vorgegebenen Formen, bespielt sie (wie beispielsweise mit einem monumentalen digitalen Wasserfall) und schafft auf diese Weise eine ganz eigene Interpretation des ständigen Kreislauf des Lebens, der schon weit länger existiert als wir.

Übrigens wird teamLab von der renommierten Pace Gallery für moderne und zeitgenössische Kunst vertreten.

 

Weitere Informationen gibt es online unter www.teamlab.art

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